Laudatio auf die Preisträger des Neuköllner Globus 2010

Neuköllner Globus (Bild: Höhne)

Die Jury-Mitglieder Winfried Tobias und Hülya Karci verlasen die nachfolgenden Begründungen:

 

Der dritte Preis wurde zweimal vergeben - an die Karl-Weise-Grundschuke für ihr Stück "Angst" und an die Regenbogen-Grundschule für "Die lange Suche nach dem Geheimnis des Glücks"

Der dritte Preis wurde zweimal vergeben. Ein 3. Preis geht an die Karl-Weise-Schule für „Angst“ Die Schülerinnen Und Schüler hatten als Jahresthema „Horror“ gewählt. Als Außenstehender mag man sich fragen, wie ein solches Thema zustande kommt, die betreuenden Pädagoginnen und Pädagogen waren jedenfalls so klug, dem „Horror“ die „Angst“ zur Seite zu stellen. Geschickt auch die Wahl von zwei Erzählebenen: Der Angst des Mädchens Katharina, nachdem sie in der U-Bahn „abgezogen“ worden ist (das haben wir vorhin in dem Ausschnitt gesehen), wird gegenübergestellt das Märchen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“. Dass Katharina aus dem Ende des Märchens den Schluss zieht, gegen die bösen Jugendlichen aus der U-Bahn könnte eine großdimensionierte Wasser-Pistole helfen, schien und scheint uns fragwürdig. Gefallen haben uns aber die Spielfreude der Hauptdarsteller und die effektvollen Gruppenchoreographien. Dafür – wie eingangs gesagt – ein dritter Preis.

 

Noch ein 3. Preis geht an die Regenbogen-Grundschule für „Die lange Suche nach dem Geheimnis des Glücks“. Diese Arbeit versucht gemeinsam mit Kindern ein anspruchsvolles, gesellschaftliches Thema auf der Bühne zu präsentieren. Hier verfolgt diese Inszenierung jenseits der reinen Spielfreude, die jedoch sichtbar vorhanden war, eine Blick über den eigenen Tellerrand. Eine Arbeit, die die Kinder und Zuschauer zum Nachdenken anregt. Glück ist das Thema, mit dem sich die Schülerinnen und Schüler der Regenbogen-Grundschule auseinandergesetzt haben. Dazu haben sie eine Reihe von Spielszenen entwickelt, die Wünsche nach Glückserlebnissen und deren Realisierung zeigen, wobei sich erweist, dass Glück nicht so einfach herzustellen bzw. zu haben ist. Dieses geradezu philosophische Thema haben die Schülerinnen und Schüler in klarer und verständlicher Sprache und in phantasievollem Spiel auf die Bühne gebracht. Bunte, einfache Requisiten und Bühnenbilder haben die Aussagen des Stückes unterstützt. Die engagierte, zum Teil humorvolle schauspielerische Leistung hat wesentlich dazu beigetragen, dass man gerne und begeistert zuschauen konnte. Die Jury belohnt mit dem 3. Preis die gelungene Aufführung eines selbst entwickelten Stückes, das ein schwieriges Thema spannend umsetzt.

 

Der zweite Preis geht an die Lisa-Tetzner-Grundschule

 

Den 2. erhält die Preis Lisa-Tetzner-Grundschule für die Produktion „Justus und ein Hahn zu viel“ Der zweite Preis geht auf den Bauernhof. Sachte Kritik wurde in der Jury an der Fabel des Stückes geübt, wir hätten den Hühnern etwas mehr Entwicklung und Erkenntnisgewinn gewünscht (wenn man Hühnern so etwas wünschen kann :-) Überzeugt hat uns aber die Darbietung: Mit „Justus und ein Hahn zu viel“ hat die Lisa- Tetzner-GS ein Theaterstück präsentiert, das von den Kindern hervorragend und präzise und dazu mit wunderbarer Spielfreude gespielt wurde. Als Musical hat „Justus“ zahlreiche Gelegenheiten für Choreographien und Gesangsnummern geboten, die von den Kinder sehr gut dargeboten wurden. Hier haben die Spielleiter mit den Kindern intensiv und erfolgreich ein kleines Gesamtkunstwerk erarbeitet und schöne, unterhaltsame Theaterkunst gezeigt.

 

Hauptpreis für das Stück "Birr 2035 - Brunnen der Entscheidung" der Otto-Hahn-Gesamtschule

 

Den 1. Preis beim NEUKÖLLNER GLOBUS 2010 verleiht die Jury an die Produktion „BIIR 2035 - Brunnen der Entscheidung“ (Otto-Hahn-Gesamtschule). „Von und mit den Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse“ stand in der Einladung zum Stück „Brunnen der Entscheidung“ – und Kompliment, den gemeinsamen Erarbeitungsprozess hat man der Inszenierung auch angemerkt! Als Jury hatten wir das Gefühl – sowohl live auf der Bühne als auch im Videomitschnitt – dass ihr absolut hinter dem steht, was ihr da tut – und dass ihr Spaß daran habt. Ihr habt in eurem Stück viele wichtigen Fragen des Lebens, die uns berühren, aufgegriffen und versucht, sie spielerisch umzusetzen und zu beantworten. Da war das Thema Liebe herausgehoben, aber es ging auch um die Darstellung familiärer Verhältnisse, es ging um Freundschaft, Vertrauen, Verlässlichkeit, Eifersucht. Ihr seid mit diesen Themen mutig umgegangen. Besonders beeindruckte euer erfrischendes, natürliches Spiel, das die Figuren im Stück glaubwürdig machte und Interesse an ihrem Schicksal hervorrief. Und ihr konntet trotz der Ernsthaftigkeit des Stoffes die Zuschauer zum Lachen bringen. Eure Kostüm- und Bühnengestaltung hat viel dazu beigetragen, dass dieser Abend bei euch berührend und spannungsvoll war. Gut gefallen hat uns das (durchaus überzogene) Spiel mit Rollenklischees, das besonders deutlich durch die Doppelbesetzung von Vater und Sohn innerhalb einer Familie wurde und das wunderbar in der gesellschaftlichen Vision einer Muslima als Kanzlerin mündete. Gratulation für die Konsequenz des Schlusses!