Träger der Hoffnung: Christen und Muslime feiern gemeinsam

07. Dez 2008 – 

(ka) Etwa 120 Muslime und Christen haben sich aus Anlass des Nikolausfestes im Interkulturellen Zentrum Genezareth (IZG) zum Abend der Begegnung versammelt. Er fand nun bereits zum vierten Mal statt. Eingeladen hatten das IZG und die Bürgerstiftung Neukölln. Der Abend bestand aus drei Teilen: aus dem Gottesdienst, aus der Koran-Rezitation durch den Imam der Sehitlik-Moschee sowie aus dem gemeinsamen Essen.

 

Die Feier war bestimmt von Beidem: vom Bewusstsein der grundsätzlichen religiösen Differenz einerseits und vom Willen zur gemeinsamen Arbeit in Neukölln andererseits. Dass als Kinder Abrahams Christen und Muslime zu Trägern der Hoffnung und der Gerechtigkeit gemeinsam berufen sind, führte Dr. Kurt Anschütz in seiner Predigt aus.

 

In den sechs Grußworten wurde einmütig darauf verwiesen, dass die Verständigung unter den beiden Religionen für die gute Entwicklung Neuköllns von ganz besonderer Bedeutung sei. Die Leitung des Gottesdienstes lag bei Pfarrerin Elisabeth Kruse von der Genezareth-Gemeinde ), die dankbar feststellte, wie sehr im Laufe der Jahre diese Begegnungsabende an Tiefe und an innerer Kraft gewonnen haben.

 

Ein Zeichen der Solidarität wurde gesetzt: Die Kollekte wurde für eine Frau aus der Moscheegemeinde erhoben, die unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen zwei Kinder großzuziehen hat. Zukunftsweisend war auch das Symbol: Nach der Koranrezitation verteilten die Kinder an alle Anwesenden Winteräpfel und Granatäpfel – als „Wegzehrung für den Neuköllner Alltag“. Die Gabe dieser Früchte des Nordens und des Orients sollte gelten als symbolisches Versprechen, dass Christen und Muslime ihre Kraft und ihren Segen immer mehr miteinander teilen wollen.

 

Grußworte haben gesprochen:

für den Bezirk Berlin-Neukölln Stadtrat Thomas Blesing,

für die Sehitlik-Moschee Ender Cetin

für das Türkisch-Deutsche Zentrum Generalsekretärin Nilgün Hascelik

für den Evangelischen Kirchenkreis Neukölln die Islambeauftragte Pfarrerin Heike Steller-Gül

für das Quartiersmanagement Schillerpromenade Frau Kerstin Schmiedeknecht

für die mit veranstaltende Bürgerstiftung deren Vorstandsvorsitzender Friedemann Walther

 

Die durch Imam Mustafa Aydin rezitierten Koranverse aus der 3. Sure lauten in deutscher Übersetzung durch Friedrich Rückert:

 

„Wie da die Engel sprachen: O Maria! Gott

Hat dich erwählt und dich gereinigt,

Und dich erwählet ob den Fraun der Welten.

Maria, sei gehorsam deinem Herrn, bet‘ an

Fußfällig und verbeugt mit den Verbeugten! –

Dies von den Kunden des Geheimen, was wir dir eröffnen;

Du selber warest nicht bei ihnen,

Als sie des Loses Pfeile warfen,

Wer nehmen sollt‘ in Pflege die Maria,

Und wartest nicht bei ihnen, als sie stritten. –

Wie da die Engel sprachen: O Maria! Gott

Verheißet dir ein Wort von sich,

Sein Nam‘ ist der Messias, Jesus, Sohn Marias,

Geehrt in dieser Welt und in der andern,

Und von den Nahgestellten.

Der redet zu den Menschen in der Wieg‘ und als Erwachsner,

Und ist der Guten einer.“